Ist der Handel in Österreich noch zu retten?

22. November 2016 verfasst von nachrichten.at

Der Black Friday ist in den USA der Auftakt zum Weihnachtsgeschäft und der Tag mit dem höchsten Umsatz. / Bild: Reuters

In den USA ist kommenden Freitag wieder der "Black Friday". Der Tag nach Thanksgiving ist traditionell jener mit dem höchsten Handelsumsatz im Jahr. In Europa startet währenddessen das Weihnachtsgeschäft, allein in Österreich mit knapp zwei Milliarden Euro Umsatz für den Handel die wichtigste Zeit des Jahres.

Dass der Onlinehandel mittlerweile eine große Rolle spielt, weiß man. Zehn Prozent des österreichischen Weihnachtsgeschäfts entfallen bereits auf den Handel via Internet. Und Händler wie Amazon machen die Woche des Black Friday bereits zur Cyber-Week und bieten 18.000 Artikel zu Sonderkonditionen an.

Da der gesamte Kuchen, an dem der Handel naschen kann, nicht größer wird, verlieren stationäre Geschäfte zunehmend an Umsätzen und Boden. Das zeigt sich auch in der Statistik. 10.000 Händler sind seit 2005 in Österreich verschwunden. Die Filialisten verdrängen die kleinen Händler, und alle müssen sich mit den großen Onlinehändlern matchen.

Das könnte man als Strukturwandel abtun und zur Tagesordnung übergehen. Dazu muss man allerdings festhalten, dass die Umsätze des Onlinehandels zu einem überwiegenden Teil ins Ausland gehen. In Österreich steht zumindest ein Teil der 300.000 Handels-Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Aber hat der stationäre Handel überhaupt noch eine Chance? "Möglicherweise, wenn er drei wichtige Punkte berücksichtigt", sagt der oberösterreichische Unternehmensberater Franz Koll. Koll war viele Jahre in der Sportartikelindustrie (adidas eyewear) und zuletzt in der Geschäftsleitung von Intersport Austria in führender Position tätig. "Einkauf, Sortiment müssen sowieso passen. Aber es geht auch um das Berufsbild des Verkäufers. Früher war der Verkäufer der Wissende, man musste ihn fragen. Heute kommt der Kunde mit Vorwissen und braucht einen Sparringpartner. Das heißt, es braucht fachlich versierte Leute", sagt Koll.

Dies reiche aber bei weitem nicht. Der stationäre Kaufmann muss den Kunden überraschen. In den USA passiert dies in der Regel mit einem Rundumservice mit Beratung, unglaublicher Freundlichkeit und speziellen Dienstleistungen. "Auch wenn das für manche aufgesetzt wirkt. Man fühlt sich wohl und erzählt das weiter", sagt Koll. Und schließlich müssten die kleinen Händler auch digital werden. "Nicht unbedingt mit Onlineshops, die sind für kleine Händler zu teuer. Aber über Newsletter oder interessante Homepages kann ich auch jüngere Kunden in ihrer Welt abholen", sagt der Handelsexperte.

Amazon hat als Devise ausgegeben, die Erwartungen der Kunden zu übertreffen. Ähnliches muss auch dem stationären Handel gelingen. Dazu zählen Kooperationen kleiner Händler, die sich den Kunden als Erlebniswelten mit besonderen Vorzügen anbieten.

Vorbild PlusCity?

Gelingt eine Wende nicht, werden Innenstädte weiter ausgedünnt, von Filialisten und Niederlassungen der Markenartikler und Onlinehändler dominiert. Dabei entstehen Oligopole. Für die Kunden könnten dann der Servicegrad sinken und die Preise steigen. Was möglich ist, zeige derzeit am besten der Innenstadt-Konkurrent PlusCity, die dem Kunden eine Inszenierung bietet, in der Einkaufen ein Erlebnis ist.

Quelle: www.nachrichten.at

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