Herr Reichl, rund 18 Prozent laut Focus bei den klassischen Billings zugelegt – wie haben Sie das gemacht?

Leider sind 18% Zuwachs im Bruttomediabudget nicht gleichzusetzen mit dem realen Wachstum des Nettoumsatzes geschweige denn mit der Entwicklung des Unternehmenserfolges, wenn gleich wir auch mit diesen Ergebnissen sehr zufrieden sind.

Es ist uns auch 2014 gelungen, die Geschäfte mit bestehenden Kunden auszubauen, also auch Kunden verstärkt zu binden und natürlich auch neue Kunden zu gewinnen. Ersteres hat für uns die höchste Priorität. Spannend ist natürlich auch, dass wirvauch below the line und online sehr schön gewachsen sind, was ja im Focus Ranking nicht aufscheint.

 

Zu Beginn des Jahres 2014 hat es noch geheißen, es werde, auch für die Werbewirtschaft, ein schweres Jahr. Wie war es aus Ihrer Sicht?

Das Wettbewerbsumfeld ist für alle Agenturen gleich. Das schöne allerdings ist, dass unser Agenturkonzept einer eigentümergeführten Fullservice-Agentur, die beispielsweise komplett auf Freelancer verzichtet und alle Bereiche der Marketingkommunikation durch hoch spezialisierte Units in der Gruppe anbieten kann, jetzt so richtig aufgeht.

 

Einige Agenturen konnten Ihre Bilingsummen zum Teil stark steigern. Laut Focus seien die Werbespendings nur um rund zwei Prozent gestiegen. Stehen wir einem Konzentrationsprozess gegenüber?

Unsere Branche konzentriert sich international seit Jahrzehnten und auch Österreich bleibt davon nicht verschont. Besonders besorgniserregend ist diese Entwicklung bei den Mediaagenturen. Wenn das so weiter geht,  entsteht ein gewaltiges Oligopol zum Nachteil aller Kunden.  Einige Geschäftsführer und Marketer machen bei diesem Wahnsinn nicht mehr mit und setzen wieder bewusst auf Independent Agencies, wie zum Beispiel auf uns.

 

Die Frage ist auch: Was bleibt der Agentur? Wird von Auftraggebern weiterhin auf den Preis gedrückt? Wie viel Luft gibt es da noch?

Der Kostendruck ist gewaltig geworden. Gleichzeitig haben wir Agenturen auch Rationalisierungseffekte, sofern die Agentur rechtzeitig investiert hat. Wir sind zufrieden mit der Entwicklung, behandeln unsere Kunden fair und hoffen, dass wir als Agentur auch fair behandelt werden.

 

Welche Veränderungen bei den Etats hat es bei Ihnen gegeben?

2014 war für unsere Agentur vor allem durch das Wachstum unserer bestehenden Etats gekennzeichnet. Über einen Zugewinn freuen wir uns besonders. Wir waren 2002 bis 2011 für die Gesamtkampagne von Marionnaud Parfumeries verantwortlich, dann machte der Kunde einen internationalen Ausflug zu BBDO und FCB und hat sich im 4. Quartal  2014 wieder für eine Gesamtbetreuung durch uns entschieden. Darüber freuen wir uns sehr.

 

Blocken, weghören, wegklicken: Digitale Werbung hat den Nachteil, dass sie allzu schnell nervt. Investiert man in den Kanal einfach, weil es billig ist? Oder sind hier nicht auch einmal kreative Strategien gefragt, um wirklich beim User anzukommen?

Das Thema der Zukunft ist die mobile, digitalisierte, interaktive, multimediale, über Communities eng vernetzte Interaktion. Die zeitverzögerte One Way Kommunikation wird zur Echtzeitinteraktion, die gleichzeitig in allen sozialen Netzwerken, im klassischen Internet und auch in traditionellen Medien, multimedial stattfindet.

Deshalb benötigt die Agentur der Zukunft ganzheitlich denkende Generalisten und bestens ausgebildete Spezialisten mit Know how aus allen Bereichen der Kommunikation, die global mit höchst spezialisierten Think Tanks vernetzt sind.

 

2015 soll es ja leicht aufwärts gehen mit der Wirtschaft – Was erwarten Sie sich von dem Jahr?

Das Jahr 2015 ist sehr gut angelaufen, wir freuen uns über jede Einladung ein Konzept zu entwickeln. Der Handel ist wieder aufgewacht uns sucht intelligente Konzepte, das ist gut für uns. Wir haben ein sehr gutes Gefühl für 2015.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Agentur?

Die Bereiche Retail& eCommerce werden wir weiter ausbauen. Eine personelle Verstärkung ist bereits erfolgt. Den sehr stark wachsenden Bereich der Industriekommunikation werden wir Mitte des Jahres personell mit zwei international versierten Managern aus dem Bereich der internationalen Industrie verstärken und so unser B2B Team ausbauen. Generell nehmen wir Mitarbeiter mit Internetkompetenz auf und verstärken unsere Teams in diesem Bereich.

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