Zukunftsmacher

06. Oktober 2009 verfasst von Reichl und Partner Werbeagentur

 

 

 

 

 

 

Lieber Herr Mustermann,
Sind Sie eher ein Genießer – oder essen Sie einfach, weil Sie Hunger haben?
So oder so interessiert Sie vielleicht, was künftig auf unseren Tellern landen wird.

Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx hat die Entwicklungen am Lebensmittelmarkt analysiert und 4 Schlüsseltrends abgeleitet. Hier ein kleiner Appetizer dazu.

Lesen Sie heute aus der Reihe "Strategien für Zukunftsmacher":

Teil 6: Food-Trends zwischen Ökonomie und Ökologie
Aus dem Beitrag von Mag. Hanni Rützler, Pionierin der Ernährungswissenschaft und Referentin des Zukunftsinstituts.
Die steigende Komplexität unseres globalen Wirtschaftssystems sowie die Ungewissheit hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen verstärken die Sehnsucht nach Einfachheit, Vertrautem, Entschleunigung, Gewissheit, Verantwortung und Moral. Daraus ergeben sich für Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Gastronomie und Handel durchaus Chancen!
Zunächst werden sich die Abschwächung der Konjunktur und die wachsenden Zukunftsängste in einer höheren Preissensibilität bei Lebensmitteln niederschlagen. Dies führt mittelfristig zu einer weiteren Polarisierung der Lebensmittelmärkte: SOMAs versus LOHAS! Also einerseits die Ausweitung des Discountsegments inklusive der Sozialmärkte, andererseits das verstärkte Angebot an Qualitätslebensmitteln im Sinne der LOHAS-Bewegung (Lifestyle of Health and Sustainability).

Food-Trend 1: Terroir – die Sehnsucht nach Vertrautheit, Nähe und Sicherheit
Regionale Produkte verzeichnen wieder einen Boom. Nicht nur aufgrund des Vertrauensbonus, den sie hinsichtlich Authentizität, Transparenz und Qualität genießen, sondern auch weil ihr Vertrieb als umweltschonender gilt und sie die regionale Wertschöpfung unterstützen. Von diesem Trend profitieren Bauernmärkte, kleine Delikatessengeschäfte oder traditionelle Handwerksbetriebe wie Bäckereien, Fleischereien oder Käsereien, die sich wieder an alten Rezepten orientieren und diese innovativ weiterentwickeln. Auch internationale Handelsketten reagieren mit speziellen Angeboten. Und auch die Gastronomie: Vom Gasthaus bis zum Gourmet-Restaurant – man setzt verstärkt auf regionale Produkte und Rezepte sowie enge Kooperationen mit lokalen Produzenten. Auch Gerichte, die eine ganzheitliche Verwertung versprechen ("Nose to Tail"), kommen auf die moderne Speisekarte.

Food-Trend 2: Communi-Cooking – gemeinsames Kochen als Trost
In einem immer abstrakter, unsinnlicher und schneller werdenden Alltag erlebt die Tradition des gemeinsamen Essens und Trinkens ein ungeahntes Comeback als gemeinschafts- und sinnstiftender Sozialfaktor. Einladung und Gegeneinladung – früher als spießig abgetan – erfreuen sich jetzt neuer Beliebtheit. Und schonen auch das Portemonnaie! Im Gegensatz zu früher greift man jetzt aber auch gern zu Convenience-Produkten, insbesondere Chilled-Food.

Food-Trend 3: Trusted Food – die gläserne Produktion
Food-Märkte sind immer auch Vertrauensmärkte. Entscheidende Wettbewerbsvorteile werden daher jene haben, die sich im gesamten Auftritt klar und glaubwürdig positionieren: klare, offensive, saubere Produktdeklaration; regelmäßige Überprüfung durch Konsumentenschützer, staatliche und unabhängige Organisationen; lückenlose Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe und deren Weiterverarbeitung. Wichtig wird jedoch sein, nicht á la Apotheken-Beipackzettel zu agieren, sondern die Herausforderung lustvoll und kreativ anzunehmen. Zum Beispiel in Form von Show-Fabriken oder Produktcodes zur individuellen Online-Rückverfolgung seines Lammsteaks bis zur Schaffarm.

Food-Trend 4: Pleasure Food – die Einfachheit des wahren Luxus
Schuldgefühle gegenüber Umwelt und gesellschaftlicher Ungleichheit führen zu einer verstärkten Ablehnung von Verschwendung. Aber auch das Überangebot an Statuslebensmitteln wie Champagner, Kaviar, Hummer & Co haben dazu geführt, dass Luxusgüter alten Stils und ostentativer Geltungskonsum an Terrain verlieren. Der Neue Luxus sind einfache, aber seltene, besonders authentische oder geschichtsträchtige Produkte. Immaterielle Genüsse wie ein in Vergessenheit geratenes Rezept, eine spezielle alte Mehlsorte,… Luxus-Food der Zukunft ist demnach das Besondere – nicht zwangsläufig das Teure. Natural Winners werden Konzepte sein, die ein als gesund wahrgenommenes Ausgangsprodukt mit ethischem Mehrwert verbinden, oder Gesundheit mit Tradition und innovativ und neu interpretieren.
Die Zukunftsreihe kann übrigens auch auf unserer Website www.reichlundpartner.at abonniert bzw. nachgelesen werden.

Auf der Suche nach Märkten mit Zukunftspotenzial kommt man am Gesundheitssektor einfach nicht vorbei. Überalterung auf der einen Seite und der Wunsch nach ewiger Jugend auf der anderen Seite werden ganz neue Geschäftsfelder eröffnen. Der Wellness-Boom war nur der Anfang. Wie es weitergeht, darauf weiß das Zukunftsinstitut von Trendforscher Matthias Horx Antworten.

Lesen Sie heute aus der Reihe "Strategien für Zukunftsmacher":

Teil 7:  Zukunftsmarkt Gesundheit – Selbstverantwortung, Individualisierung, Effektivität
Aus dem Beitrag von Jeanette Huber, Mitglied der Geschäftsleitung und Zukunftsreferentin des Zukunftsinstituts.
Gerade in Krisenzeiten sorgen sich Menschen noch mehr um ihre Gesundheit, ernähren sich gesünder, treiben mehr Sport und zeigen ein insgesamt weniger riskantes Verhalten im Alltag. Gesundheit bleibt also ein starker Markt, aber unter veränderten Vorzeichen:

Gesundheitliche Eigenverantwortung
Steigende Gesundheitskosten, -aufklärung und -interesse kombiniert mit dem Wunsch eines zweiten Aufbruchs im Best-Ager-Alter verändern das Bewusstsein der Verbraucher. Immer häufiger beginnen Risiko-Patienten schon beizeiten und aktiv ihren Zustand zu verändern: bewusster leben, aktiv werden, Änderung des gesamten Verhaltens bzgl. Ernährung, Bewegung und Stress-Management. Die Anbieter im Gesundheitssektor müssen sich daher von nachträglich reparierenden "Gesundheitshandwerkern" zu "Trainern besseren Körperwissens" wandeln. Dies birgt insbesondere auch für Apotheken gute Chancen. Als "Health Coach" können sie sich gegenüber dem Pillenabverkauf im Internet und in Drogeriemärkten differenzieren.
 
Individualisierung des Gesundheitsmarktes
1. Service und Nische: Die Patienten von morgen wollen in ihrem persönlichen Lebensstil abgeholt werden. Praxen mit Lounge-Flair, Hypnose statt Narkose, Krankenhaus mit Weinkarte und ausgesuchten Speisen, Wurzelbehandlung am Flughafen-Gate, Homöopathie statt Pillen, Komplementärmedizin statt reiner Schulmedizin …
2. Selbstbestimmung und -verantwortung: "Health Home Delivery" – Gesundheit, Genesung und Pflege in den eigenen 4 Wänden –  rund um dieses Thema entstehen bereits vielversprechende Märkte: von mobilen Gesundheits- und Pflegediensten bis hin zu Medizintechnik fürs Wohnzimmer. Zu den Kunden der Medizintechnologie werden in Zukunft daher auch Privatpersonen zählen: Vaterschaftstests für skeptische Männer, Drogenscreens für besorgte Mütter, der HeartStart Home von Philips …. Und schon bald könnte der Personal Health Assistant im Handy den Gang zum Arzt ersparen bzw. Ferndiagnosen unterstützen.
3. Behandlung nach Gen-Code, nicht nach 08/15: Heute wirken Medikamente nur bei 60 % aller Menschen, die sie einnehmen. In Zukunft werden genetisch maßgeschneiderte Medikamente die Treffsicherheit deutlich erhöhen (wie z.B. das Brustkrebsmittel Herceptin, das nur Patientinnen mit einer gewissen Gendisposition verordnet wird). Die Ära der globalen Blockbuster und 08/15-Therapien läuft damit aus.

Effizienz
Der Gesundheitsmarkt wird auch künftig entweder von der geldknappen Solidargemeinschaft oder vom preissensiblen Selbstzahler finanziert. Die realen Behandlungsergebnisse spielen daher neben knallharten Qualitäts- und Preiskontrollen eine zunehmend wichtige Rolle. Schon jetzt sind Krankenhäuser z.B. auf www.weisse-liste.de oder www.medmonitor.de einer schonungslosen Bewertung durch Patienten ausgesetzt. Eine Entwicklung, auf die sich die gesamte Gesundheitsbranche einstellen muss.

Als letzten Teil unserer Inforeihe, die wir Ihnen vom Zukunftskongress in Frankfurt mitgebracht haben, möchten wir uns heute dem Lieblingsthema vieler Menschen zuwenden: dem Urlaub. Konkret dem Zukunftsmarkt Tourismus.

Lesen Sie heute aus der Reihe "Strategien für Zukunftsmacher":

Teil 8:  Zukunftsmarkt Tourismus - Kreativität und Konzepte statt Traditionsfesseln und Ungeduld
Aus dem Beitrag von Harry Gatterer, Gründer der Lifestyle Foundation in Kufstein.

Laut einer Studie des Metis Instituts vom August 2008 sind Österreichs Tourismusbetriebe unkreativ. Im Vergleich mit anderen Branchen belegen sie die hintersten Ränge. Dabei ist Kreativität gerade jetzt am Übergang von der Industrialisierung zur Individualisierung des Tourismus gefragter denn je!
Eine Untersuchung der Consulter Kohl & Partner brachte 5 Hauptindizien für eine schleichende Gefährdung von Tourismus-Regionen zu Tage: zu starke Traditionsbindung, Verwechslung von Vorsicht mit Entschlusslosigkeit, Selbstzufriedenheit, übertriebene Erwartungen und mangelnde Geduld.
Künftig wird es stark darauf ankommen, wie schlau bestehende Strukturen genutzt und alte Kokurrenzgrenzen aufgelöst werden. Denn das große Potential für die nächsten Jahre liegt in den vielen Nischen jenseits der Pauschalreisen.

Megatrend Bildung: Touristen sehnen sich zunehmend nach Urlaub mit Mehrwert, in dem sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden können. So werden z.B. Wissens-Hotspots zu touristischen Destinationen, wo man Innovationen live erleben kann. Ein gutes Beispiel dafür ist die österreichische Gemeinde Güssing, die mit ihrem Konzept zur autarken Energieversorgung der Region einen wahren Bildungstourismus ausgelöst hat. Das Energieprojekt samt Forschungszentrum zieht jährlich über 20.000 Menschen an - wovon Gemeinde, Hotels, Gastronomie und Handel aus der ganzen Region profitieren.
Bewegungs- und Gesundheitskult: Bewegung ist in! In Krisenzeiten, wenn alles bedrohlich scheint, wird das eigene Wohlergehen umso wichtiger. Vor diesem Hintergrund werden gerade die Gesundheitsangebote ihre starke Position am Reisemarkt ausbauen können. Aber auch hier zählen die besonderen, einzigartigen Erlebnisse. Wie etwa eine geführte Alpenüberquerung mit dem Mountainbike - bis zum verdienten Glas Rotwein am Gardasee.

Die neue Sinn-Suche: Gerade in Zeiten der Umbrüche erstarkt in unserer säkularisierten Welt wieder der Wunsch nach spirituellem Halt und postmateriellen Werten. So erfreut sich "Urlaub im Kloster" zunehmender Beliebtheit. Auf www.kloesterreich.at finden sich Angebote wie "Entdeckung der Stille". Die Sehnsucht dahinter: Das Leben soll einfacher aber reich sein. Auch das Seminarzentrum Centro d'Ompio in der Nähe des Lago Maggiore hat sich auf spirituelle Entdeckungsreisen konzentriert und war schon im Vorjahr für 2009 so gut wie ausgebucht.

Einzigartige Genuss-Erlebnisreise: Genussreisen, die die Seele streicheln statt Statussymbol-Reise, kleine Verwöhnmomente statt 5-Sterne-Hotel. In Krisenzeiten besinnt man sich wieder auf das Wesentliche, das Einzigartige. Ein interessanter Wachstumsmarkt liegt daher in individuellen, charmanten Genusserlebnissen für zwischendurch. So locken die 65 deutschen "Braugasthöfe" zum Beispiel mit selbstgebrauter Bierkultur & Gastlichkeit. Ein online-Bierfinder macht schon vorab Gusto.
Dies war der letzte Teil unserer "Zukunftsreihe". Wir hoffen, wir konnten mit dem einen oder anderen Thema Ihr Interesse wecken und Sie auf neue Ideen bringen. Die gesamte Zukunftsreihe können Sie übrigens auf www.reichlundpartner.at nachlesen.

Mit besten Grüßen

Renate Lugmayr
Strategic Planner, Reichl und Partner

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