Über das Verhältnis von Kunst und Werbung

30. Juli 2019 verfasst von Renate Lugmayr - Creative Director REICHLUNDPARTNER

REICHLUNDPARTNER über das Verhältnis von Kunst und Werbung

Wieviel Kunst steckt in der Werbung – und umgekehrt? 

Diese Frage wurde uns unlängst von einem Branchenmedium gestellt und hat uns angeregt, uns mit diesem Thema auseinander zu setzen. Dass es eine gewisse Verbindung gibt, zeigen alleine die vielen Beispiele von Künstlern, die eine Werbevergangenheit haben. Andy Warhol war Industrie- und Werbegrafiker, der Karikaturist Gerhard Haderer vulgo HADES war Grafiker und Illustrator für Werbeagenturen, ebenso wie Paul Flora. Und auch der Kabarettist Josef Hader war zunächst Werbetexter. Diese Liste ließe sich sicherlich – auch international – noch lange fortsetzen.

Werbeverwandte Kunststile

Andy Warhol war es auch, der möglicherweise eines der berühmtesten "Werbesujets" am Kunstmarkt geschaffen hat: die Campbell Suppendose. Sein Pop Art Stil, ebenso wie die Polnische Plakatkunst, der Bauhausstil oder die Schweizer Grafik erinnern total an Werbung, laufen aber unter Kunstgeschichte.

Nike hat sich beispielsweise immer wieder mal des "clean cool look" der typo-betonten Schweizer Grafik bedient. In Österreich ist es die Marke Darbo, die ihre Liebe zur Kunst nicht verleugnen kann. Anders, aber auch sehr kunstvoll, ist die Inszenierung der JBL Noise Canceling Headphones mittels genialer Illustration. Ein gutes Stichwort! Denn die Arbeiten vieler (Werbe-)Illustratoren reichen mit Sicherheit an Kunst heran. Und es gibt immer wieder Marken, die die Zusammenarbeit mit solchen Künstlern suchen. So hat Karan Singh zum Beispiel schon für Apple illustriert.

Kunsteinflüsse im eigenen Haus?

Künstlerische Einflüsse sind aber auch bei REICHLUNDPARTNER zu entdecken. So haben wir erst kürzlich für den Messeauftritt des Türenherstellers Jeld-Wen bewusst den Bauhausstil angewendet. Oder zur Bewerbung des Oberösterreichischen Genuss & Kultur Festivals in Wien, das unter dem Motto "Sommerfrische" läuft, auf "Die neue Sachlichkeit" aus den 1920er-Jahren zurückgegriffen – schließlich war die Sommerfrische ja gerade zu jener Zeit sehr beliebt. Etwas länger her ist die Kampagne, die wir für die OÖNachrichten in Zusammenarbeit mit dem Münchner Künstler und Illustrator Bernhard Prinz gemacht haben. Und für ein Chemie-Unternehmen haben wir vor vielen Jahren die "Begnadeten Körper" von André Heller eingesetzt.

 

Für den internationalen Auftritt von Schiller Medizintechnik, ein Kunde der ersten Stunde, haben wir bei Andy Warhol Anleihe genommen – einfach weil diese Multiplikation von Layern genau das versinnbildlicht, was Schiller tut: Nämlich mit innovativer Technik die verschiedenen Ebenen des Körpers sichtbar zu machen. Ziemlich neu ist der Auftritt des Linzer Brucknerhauses. Für das Logo wurden die beiden Kunstrichtungen Architektur und Musik zu einem dynamischen Markenzeichen vereint, und auch das Key Visual ist eine Art abstrakte Musik-Skulptur. Für Vier Diamanten sind wir sogar unter die Bildhauer gegangen: Der Fisch, der im TV-Spot zu sehen ist, wurde von Metallkünstlern real gebaut – und zwar aus den Dosen, in denen der Fisch verkauft wird – und dann darauf aufbauend animiert.  

 

 

Hand in Hand mit Künstlern und Talenten

Unser größtes Kunstprojekt war aber sicherlich jenes, das wir in Zusammenarbeit mit dem Maler Klaus Bruno Schneider und dem Diakoniewerk Gallneukirchen gemacht haben. Im Rahmen dieser "Hand in Hand" Aktion sind unzählige grandiose Werke entstanden, die für den guten Zweck verkauft wurden. Viele davon haben wir selbst erstanden. Sie verschönern seither unsere Büros. Ein anderer Künstler, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten, ist der Maler und Aktionskünstler Johann Jascha. Von ihm stammen unter anderem die Sternzeichen, die unsere Geburtstagskarten zieren. Das sind echte Unikate!

 

Talente gibt es aber auch im REICHLUNDPARTNER Team selbst. Es gibt Sängerinnen, Musiker, Objektkünstler, Malerinnen.… Wir bieten jedem die Möglichkeit, die Werke in unserer Agentur auszustellen. Nicht direkt ein Mitarbeiter, aber ein sehr enger Freund ist Pierre Leduc. Er war Worldwide Creative Director von DDB und viele Jahre Coach für das Kreativteam von REICHLUNDPARTNER. Heute lebt das Multitalent in New York und Montreal und widmet sein Leben der Musik und der Malerei. Wir freuen uns, auch von ihm einige Werke in unseren Büroräumlichkeiten zu haben.

Bleibt die Frage: Wieviel Kunst muss in einem Kreativen stecken?

Eine gewisse Affinität zur Bildenden Kunst erweitert den Horizont ungemein und gibt einem die Möglichkeit, aus dem Vollen zu schöpfen – sei es grafisch oder inhaltlich. Das gleiche gilt auch für Musik. Schließlich entspringen alle unsere noch so innovativen Ideen einem vorhandenen Erfahrungsschatz, den wir weiterentwickeln, neu kombinieren, konterkarieren oder auch ad absurdum führen. Nichts Neues ohne das Alte. Besteht doch die Kunst der Werbung darin, bekannte Geschichten, immer wieder neu und überraschend zu erzählen. Und das nicht erst, seit dafür das Wort "Storytelling" erfunden wurde.

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