Auf der Suche im Tal des Turbos für die Weltwirtschaft

14. November 2016 verfasst von nachrichten.at

Landesrat Michael Strugl mit Georg Fürlinger und Martin Rauchbauer (r.) Bild: OÖN

In ein bis zwei Wochen ist es so weit. Dann geht die neue Website "NomadApp" online. Die Reise-Seite soll junge, flexible Rucksacktouristen ansprechen und ihnen billige Urlaube ermöglichen. Die Gründer sind der gebürtige Kolumbianer Juan Campo und die Oberöstereicherin Eva Reder. Die 22-Jährige und der junge Software-Spezialist haben sich in Bogotá kennengelernt und versuchen jetzt im Startup-Zentrum Plug&Play im Silicon Valley ihr Glück. Hier hat Paypal seinen Schritt ins Wachstum gesetzt, auch Google ist hier von einem Zwei-Mann- zu einem 50-Mitarbeiter-Betrieb gewachsen. Reder und Campo sind nur zwei von vielen jungen Leuten, die im Tal des Turbos der Weltwirtschaft als Unternehmer ihre Idee zum Erfolg machen wollen.

Die Ausgangssituation ist gut. Drei der fünf wertvollsten Unternehmen der Welt haben hier ihren Sitz: Alphabet (Google), Apple und Facebook arbeiten fast in Rufweite. Die anderen beiden sind Microsoft und Amazon, also ebenfalls US-IT-Firmen. Was kann dieses Silicon Valley? Was kann ein kleines Bundesland wie Oberösterreich hier lernen? Dieser Frage ging eine kleine Delegation der Standortagentur Business Upper Austria rund um Wirtschaftslandesrat Michael Strugl nach.

Plug&Play liefert den ersten Anhaltspunkt. Im Startup-Zentrum wimmelt es nur so von jungen Leuten internationaler Herkunft. Wer es im Silicon Valley schafft, schafft es überall. Wer eine gute Idee hat, eine gute Ausbildung und seine Idee auch präsentieren kann, kommt hier zu Startkapital. Die niedrigen Zinsen führen Investoren hierher. Aber die Auswahlverfahren in den so genannten Pitches sind beinhart. Nur die Besten kommen in die engere Auswahl.

Etwas weiter ist da schon Manuel Nedbal, der als Spezialist für Softwaresicherheit in Hagenberg gearbeitet hat – er hat mit Partnern ShieldX gegründet. 40 Leute arbeiten bereits daran, dass im März eine Firma online geht, die das ausgefeilteste Sicherheitspaket für die Cloud auf den Markt bringt. Nedbal bräuchte noch Software-Ingenieure und hat einige Oberösterreicher im Auge, die er von Hagenberg kennt.

"Out of the box" denken

Denn gut ausgebildete Österreicher hätten auch hier gute Chancen, sagt Simone Winkler. Sie hat in Linz Mechatronik studiert und arbeitet an der medizinischen Fakultät der Elite-Universität Stanford am Institut für Magnetresonanz. Winkler beschreibt ein weiteres Geheimnis des Silicon Valley. Die Elite-Unis unterstützen beispiellos die Startup-Kultur. Die Google-Gründer haben hier studiert (und wegen Erfolgs ihr Studium abgebrochen und später Millionen gespendet). Stanford verfügt über ein Forschungsbudget von 1,3 Milliarden Dollar, was in etwa dem entspricht, was ganz Oberösterreich (inklusive Betriebe) jährlich dafür ausgibt. Aber es sei nicht nur die finanzielle Kraft, die Leute hier animiert, es sei auch die Möglichkeit, "out of the box" zu denken, wie es Winkler formuliert, also etwas Neues zu denken und zu probieren.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma Airbnb. Diese startete, als die Gründer fast pleite waren und ihre Wohnung in San Francisco mit Luftmatratze und Frühstück (Airbed & Breakfast) während eines Kongresses untervermieteten. Airbnb bringt Privatvermieter und Urlauber sowie Geschäftsreisende zusammen, hat heute 3000 Mitarbeiter weltweit und ist auf dem Sprung zum nächsten Wachstumsschritt. Airbnb soll das Walt Disney des Tourismus werden, sagt ein Mitarbeiter und meint damit die Vielfalt des Medienkonzerns. Die Zentrale in San Francisco ist stylisch, aber auch gemütlich. Die Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen, bekommen regelmäßig Extrageld, um reisen zu können. Dafür wird erwartet, dass sie auch einmal bis zu 70 Stunden pro Woche arbeiten.

Allem gemeinsam ist die starke Ausrichtung auf Software und vernetztes Denken. "In Europa glaubt man, dass man mit Industrie 4.0 (also dem Vernetzen der Maschinen und Anlagen) eine IT-Strategie hat. Das ist zu wenig", sagt Burton Lee, Professor für Maschinenbau in Stanford und ein Kenner Österreichs. "Es geht um mehr, um künstliche Intelligenz und darum, eine Software-Arbeitskultur zu entwickeln. Die Zahl der Studenten in diesem Beruf zu verdoppeln, wäre zumindest ein Ansatz", sagt Burton Lee.

Österreich hat seit einigen Wochen mit OpenAustria eine Repräsentanz im Silicon Valley, Ergebnis eines Besuchs von Außenminister Sebastian Kurz in Kalifornien. Georg Fürlinger von der Wirtschaftskammer und Martin Rauchbauer vom Außenministerium helfen Startups, Kontakte zu knüpfen und im Valley anzudocken. Ohne große Repräsentanz, sondern mit einem Minibüro in einem Co-Working-Space. "Das ist weniger komfortabel, aber man kann hier besser netzwerken", sagt Rauchbauer.

Was lernt Oberösterreich?

Das Innovationssystem, die Motivation für Unternehmen und die Digitalisierung im Valley seien beispielgebend. "Die Vernetzung von Unis, Unternehmen und privatem Kapital ergibt eine unglaubliche Dynamik", sagt Strugl. "Das kriegen wir in dieser Dimension nicht hin, aber im Kleinen gibt es sehr wohl Möglichkeiten." So will Strugl Hagenberg wieder zu neuem Glanz verhelfen. Der Software-Standort könne etwa im Bereich der Datensicherheit wachsen. Als Unterstützer will Strugl Gerhard Eschlböck gewinnen. Der Oberösterreicher ist bei Google oberster Chef für Datensicherheit.

Das Konzept "bytewerk" sieht vor, dass Studenten schon frühzeitig zur Selbstständigkeit animiert werden. Land, erfolgreiche Startups und Investoren wie Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner sollen helfen. Die Schnittstellen zwischen Forschung und Unternehmen sollen verbessert werden, damit Ergebnisse auch marktreif werden können.
 
200 Autobusse betreibt Google im Silicon Valley, um etwa ein Drittel seiner 30.000 Mitarbeiter in Kalifornien zur Arbeit zu bringen, und ist damit zweitgrößter Transportunternehmer Kaliforniens.

1,35 Milliarden Dollar: Das ist das Forschungsbudget der Universität Stanford pro Jahr. Das entspricht dem, was ganz Oberösterreich in die Forschung investiert.

3500 Dollar im Monat kostet in San Francisco in mittlerer Lage eine Kleinwohnung mit 50 bis 60 Quadratmetern. Die hohen Wohnkosten sind neben dem Verkehr die größte Herausforderung im Silicon Valley. Aber auch Häuser für die Managementebene sind Mangelware.

Quelle: www.nachrichten.at

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